Das Regierungspräsidium Freiburg ehrt Martin Blümckes Verdienste um die Fasnacht. Als Rundfunkjournalist, Buchautor und Vorsitzender des Narrenschopfs Bad Dürrheim hat der Laufenburger Stadtarchivar über Jahrzehnte hinweg Millionen von Menschen das Brauchtum nahe gebracht.
Es wurde Martin Blümcke nicht an der Wiege gesungen, dass er einmal einen der wichtigsten Fasnachtsorden im deutschen Südwesten erhalten würde. In Brandenburg geboren, evangelisch getauft, im Rheinland aufgewachsen und als Student ins pietistische Tübingen gekommen, begegnete Blümcke der schwäbisch-alemannischen Fasnacht völlig untypisch – im Rahmen eines Volkskunde-Seminars. Zusammen mit Kommilitonen verfolgte der junge Zweitsemester im Januar 1956 den Umzug beim Narrentreffen in Riedlingen als wissenschaftliches Anschauungsobjekt. Blümcke: „Das war wie eine Begegnung mit einer anderen Welt. Man dachte, man sei nach Afrika geraten – nur zur falschen Jahreszeit.“
Die Rolle als Zuschauer bei der Fasnacht ist dem inzwischen 74-Jähigen bis heute geblieben. „Ich bin kein aktiver Narr. Ich habe die Fasnacht immer nur beobachtet“, sagt er über sich selbst. Doch was er sah und erkannte, gab er weiter und wurde zu einem der wichtigsten Vermittler dieses Brauchtums. Als das Fernsehen 1992 erstmals einen Umzug der schwäbisch-alemannischen Fasnacht übertrug, hatte Blümcke als Hörfunkredakteur schon fast 25 Jahre lang regelmäßig darüber berichtet. Einen der jungen Leute, die er als Leiter der SDR-Redaktion Land und Leute in sein Team holte, kennt heute so gut wie jeder: Werner Mezger fing als Hörfunk-Volontär bei Martin Blümcke an.
Auch im geschrieben Wort befasste sich Martin Blümcke mit der Fasnacht. Allein sein 1989 im Verlag des Südkurier veröffentlichter, längst vergriffener Band „Gestalten der schwäbisch-alemannischen Fasnacht“ erfuhr eine Gesamtauflage von 15 000 Exemplaren und gilt heute noch als Standardwerk. Das Buch erschien ursprünglich als Katalog für eine Ausstellung in Narrenschopf Bad Dürrheim. Die Anfänge dieses Narrenmuseums bestimmte Blümcke 1980 bis 2001 als Gründungsvorsitzender des Trägervereins mit.
„Durch seine Arbeit und seine Veröffentlichungen hat Martin Blümcke dazu beigetragen, dass die Fasnacht überregional so viel Akzeptanz gefunden hat“, sagt Paul Teike, der Narrenmeister des Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte. Um dies zu würdigen, hätten ihn die sieben großen Narrenvereinigungen Südbadens als Träger des Narrenordens vom Basler Hof vorgeschlagen.
Die Auszeichnung ist benannt nach dem Freiburger Dienstsitz des Regierungspräsidenten. Am Montag vor dem Dritten Faißen wird Regierungspräsident Julian Würtenberger den vor zehn Jahren gestifteten Orden vor 200 geladenen Gästen an Martin Blümcke verleihen. Der gelernte Württemberger und Wahl-Laufenburger wird erst der zwölfte Träger dieser Auszeichnung sein.
SÜDKURIER, Text Markus Vonberg
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